14. Januar 2026
Nachhaltigkeit
4.5 Min. Lesezeit

Umweltzonen und Eurovignette: was Europas neue Mautreformen für Frachtkosten bedeuten

Der Straßengüterverkehr steht unter wachsendem Dekarbonisierungsdruck. Europäische Städte weiten Umweltzonen aus, und nationale Regierungen reformieren die Straßenbenutzungsgebühren nach der überarbeiteten Eurovignetten-Richtlinie. Für Logistikverantwortliche ist es entscheidend zu verstehen, wie sich diese Maßnahmen auf die Kosten auswirken...

Logifie Team

Logifie Team

Experten für Logistiktechnologie

Illustration einer europäischen Stadtkarte mit markierten Umweltzonen, Mautstellen und verschiedenfarbigen Lkw-Symbolen für Euro-VI- und Elektrofahrzeuge.

Der Straßengüterverkehr steht unter wachsendem Druck, Emissionen zu senken. Europäische Städte bauen Umweltzonen (Low-Emission Zones, LEZ) aus, und nationale Regierungen reformieren die Straßenbenutzungsgebühren gemäß der überarbeiteten Eurovignetten-Richtlinie. Für Logistikmanager, die Fernverkehre und städtische Distribution in ganz Europa planen, ist es entscheidend zu verstehen, wie sich diese Maßnahmen auf die Kostenstruktur auswirken.

Schwerer Elektro-Lkw passiert eine Mautstelle auf einer europäischen Autobahn, im Hintergrund stehen Windräder.
Ein schwerer Elektro-Lkw passiert eine Mautstation – ein Bild für den Wandel hin zu sauberen Fahrzeugen und CO2-basierten Mautsätzen.

Wachsende Zahl von Umweltzonen

Umweltzonen beschränken den Zugang der emissionsstärksten Fahrzeuge zu Innenstädten. Laut Clean Cities Campaign gab es in Europa 2019 insgesamt 228 aktive LEZ und 320 im Jahr 2022 – ein Anstieg um rund 40 %. Bis 2025 wird ein weiterer Zuwachs um 58 % erwartet, da Städte die Emissionsstandards verschärfen. 27 Städte planen, bestehende Zonen zu vergrößern oder strenger zu regeln, und mindestens 35 wollen bis 2030 Null-Emissions-Zonen einführen. Allein Londons Ultra Low Emission Zone (ULEZ) reduzierte die CO2-Emissionen zwischen 2019 und 2022 um rund 800.000 Tonnen und senkte Stickstoffdioxid um bis zu 46 %.

Während LEZ die Luftqualität verbessern, können sie Lieferketten stören, wenn ältere Diesel-Lkw verboten werden oder hohe Tagesgebühren zahlen müssen. Flottenmanager sollten LEZ entlang wichtiger Korridore kartieren, alternative Routen planen und den Umstieg auf Euro-VI-Fahrzeuge oder emissionsfreie Lkw priorisieren, um den Zugang zu sichern.

Eurovignette: von zeitbasierten Vignetten zu strecken- und CO2-basierten Mauten

Die Eurovignetten-Richtlinie (Richtlinie (EU) 2022/362) regelt, wie Mitgliedstaaten Gebühren für schwere Nutzfahrzeuge auf dem transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V) erheben. Die überarbeiteten Regeln verlangen, dass zeitbasierte Vignetten auf dem Kernnetz bis 2030 schrittweise abgeschafft werden. Ab 2024 müssen Maut- und Vignettenentgelte für Schwerfahrzeuge nach CO2-Emissionen differenziert werden, um sauberere Lkw zu belohnen. Ab 2026 müssen zusätzlich externe Luftverschmutzungskosten eingepreist werden, damit Nutzer für gesellschaftliche und ökologische Schäden zahlen.

Die neuen Regeln erlauben es Mitgliedstaaten, emissionsfreie Lkw bis Dezember 2025 von Mautsätzen zu befreien; die EU-Kommission schlägt eine Verlängerung bis Juni 2031 vor. Staaten können vollständige oder teilweise Befreiungen gewähren, sodass die Attraktivität von E-Lkw zwischen Ländern variiert. Der European Alternative Fuels Observatory schätzt, dass schwere Nutzfahrzeuge 27,5 % der CO2-Emissionen des EU-Straßenverkehrs verursachen – differenzierte Mautsätze sind daher ein wichtiges Instrument zur Dekarbonisierung. Bisher bieten nur wenige Länder vollständige Befreiungen, aber mit der Umsetzung der Richtlinie dürften es mehr werden.

Wie Maut und LEZ die Frachtkosten beeinflussen

Analysen zeigen, dass Mautkosten einen beträchtlichen Anteil an den Aufwendungen im Straßengüterverkehr haben. Studien von Logistik-Intelligence-Anbietern und IRU deuten darauf hin, dass Mautgebühren rund 14 % der Gesamtkosten ausmachen können und auf bestimmten Relationen bis zu 23 % (Zahlen Q2 2025). Der Übergang von pauschalen Vignetten zu distanz- und CO2-basierten Mauten verschärft die Kostenschere zwischen sauberen und stark emittierenden Fahrzeugen. Gleichzeitig geht die Clean Cities Campaign davon aus, dass die Ausweitung von LEZ den NO2-Ausstoß in Städten im Schnitt um weitere ~20 % senken wird.

Um Kosten zu steuern, können Spediteure und Frachtführer:

  • In saubere Fahrzeuge investieren: Die Umstellung auf Euro-VI- oder Null-Emissions-Lkw senkt Mautsätze und vermeidet Strafgebühren in Umweltzonen.
  • Routen optimieren: Durchdachte Routenplanung hilft, mehrere LEZ und teure Mautabschnitte zu umgehen und gleichzeitig CO2-Emissionen zu senken.
  • Nationale Regelungen verfolgen: Jedes Land definiert seine Mautstruktur und LEZ-Regeln selbst. Unternehmen sollten Befreiungen für Null-Emissions-Lkw und neue Emissionsklassen aktiv beobachten.
  • Intermodale Alternativen prüfen: Auf langen Strecken können Schiene oder Kombiverkehr LEZ-Beschränkungen umgehen und Mautkosten deutlich reduzieren.

Den Übergang zu null Emissionen planen

Eurovignetten-Reform und LEZ-Ausbau senden ein klares Signal: Der Betrieb älterer Verbrenner-Lkw wird stetig teurer. Logistikmanager sollten Transformationspfade zur Elektrifizierung oder zu CO2-armen Alternativen entwickeln. Zwar sind Null-Emissions-Lkw noch kostenintensiv und die Ladeinfrastruktur ungleich verteilt, doch frühe Anwender profitieren von Mautbefreiungen und bevorzugtem Stadtzugang. Flottenerneuerungsprogramme und staatliche Förderungen können einen Teil der Mehrkosten abfedern.

Fazit

Umweltzonen und Mautreformen verändern die Kostenstruktur im europäischen Straßengüterverkehr grundlegend. Wer die Eurovignetten-Richtlinie versteht und die Ausweitung von LEZ verfolgt, kann steigende Kosten frühzeitig erkennen und Investitionen in saubere Fahrzeuge und intelligentere Routen planen. Langfristig senken diese Maßnahmen nicht nur CO2- und Luftschadstoffemissionen, sondern schaffen auch fairere Wettbewerbsbedingungen für nachhaltige Transporteure.

Quellen

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Low-Emission Zones: The Essential Guide (Clean Cities Campaign, 2023) – Liefert Statistiken zur Anzahl von Umweltzonen in Europa, berichtet von einem Anstieg um 40 % zwischen 2019 und 2022 und zeigt, dass Londons ULEZ CO2-Emissionen um 800.000 Tonnen und NO2 um bis zu 46 % reduziert hat.

Clean Cities CampaignQuelle anzeigen
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Road charging: Eurovignette directive (European Commission, 2023) – Fasst die überarbeitete Eurovignetten-Richtlinie zusammen, wonach zeitbasierte Vignetten bis 2030 auslaufen und Mauten ab 2024 nach CO2-Emissionen variieren sowie ab 2026 externe Luftverschmutzungskosten einbeziehen müssen.

European CommissionQuelle anzeigen
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Zero-emission truck toll exemption until 2025 (European Alternative Fuels Observatory, 2024) – Erklärt, dass schwere Nutzfahrzeuge 27,5 % der CO2-Emissionen des EU-Straßenverkehrs verursachen und dass die Eurovignetten-Richtlinie es Mitgliedstaaten erlaubt, Null-Emissions-Lkw bis Dezember 2025 von Mauten zu befreien, mit einem Vorschlag zur Verlängerung bis 2031.

European Alternative Fuels ObservatoryQuelle anzeigen